Summary
Kollaborationen von virtuosen Solomusikern - zumal noch auf dem gleichen Instrument - birgen immer gewisse Gefahren. Erschöpft sich das Ganze in nur für den Profimusiker erträglichen Jams, widersteht man der Versuchung sich in versierten Soloduellen lediglich der eigenen Fingerfertigkeit zu vergewissern und über den ganzen technischen "Schnickschnack" die Musik zu vergessen ?
Nichts von alledem ist auf "Thunder" zu spüren, der vor gegenseitiger Inspiration sprühenden Zusammenarbeit der drei Bass Heroen "Stanley Clarke", "Marcus Miller" und "Victor Wooten". Musikalisch wird ein weiter Bogen gespannt, der von 70er Jahre Funk, melodiösem Jazz und Klassikanleihen bis hin zu filmmusikartigen Einsprüngen und Pop reicht. Das Erfreuliche ist das ohne Ausnahme der Fokus auf den ausgefeilten Kompositionen und liebevollen Arrangements liegt. Faszinierend wie transparent die drei Musiker und Bassstile herauszuhören sind, wobei man sich zu jeder Sekunde trägt und stützt. Es gibt auf dieser Platte magische Momente, z.B. wenn in "Mongoose Walk" oder "Milano" zweistimmige Rhythmen die Solopassagen des dritten Bass umspülen - es fällt nicht schwer sich das glückselige und zufriedene Nicken der Beteiligten im Studio vorzustellen.
Ich habe den Eindruck insbesondere auf Marcus Miller hat diese Begegnung wie ein kreativer Jungbrunnen gewirkt, drohte sein Solowerk wie zuletzt auf "Free" in eine Sackgasse der vertrauten Klänge zu führen. Seit dem "Siesta" Soundtrack hat er nicht mehr inspirierter geschrieben, das macht sowohl Hoffnung für die Zukunft als auch neugierig auf die Vergangenheit,vielleicht wird ja irgendwann mehr von seinen zahlreichen Filmmusiken veröffentlicht.
Den Champagner für den Grammy in 2009 können die 3 schon mal kalt stellen - dafür schon mal einen herzlichen Glückwünsch im Voraus :-)